Reden wir übers Wetter … genauer übers Klima …

Gesetzter Redebeitrag zum TOP “Klima” (Karl-W. Koch, BAG Energie) auf der LDV am 8.12.2018 B90/Die Grünen Rheinland-Pfalz in Bingen

Liebe Freundinnen und Freunde,

ich muss hier keine „Eulen nach Athen“ tragen, dennoch möchte ich zu Beginn nochmal den aktuellen Stand in der Klimaproblematik zusammenfassen:

  • Der in Katowice vorgestellte Klima-Risiko-Index besagt: in keinem Jahr war das Wetter so extrem wie 2017, die sog. Extremereignisse (die es schon immer gab) nehmen deutlich zu.
  • Die „Wucht“ der einzelnen Ereignisse hat in den letzten 20 Jahren zugenommen (Beispiel: Starkregen in Deutschland: 1979: 45 l/m2, DWD: „mehr als 17 Litern pro Stunde von Starkregen gesprochen, 35 Litern innerhalb von sechs Stunden => Unwetterwarnung (Rot). Alles darüber gilt als extremes Unwetter!“ Südlich von Dresden fielen am 12. August 2002 312 mm, und das war nicht das einzige derartige Ereignis der letzten 10 Jahre.
  • Die Klimazonen verschieben sich: s.. Trockenheit 2018 in Mitteleuropa
  • Bereits jetzt stellen Wissenschaftler einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 1,0 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau fest. Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach ersten Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Und die 20 wärmsten lagen in den vergangenen 22 Jahren.[1]
  • Wir haben mit 405,5 ppm CO2 die höchsten je gemessenen CO2-Werte[2], 300 ppm waren es zu meiner Schulzeit
  • Setzt sich der aktuelle Trend ungebremst fort, wird die Durchschnittstemperatur laut Weltklimarat IPCC bereits zwischen 2030 und 2052 um 1,5 Grad höher liegen als vor der industriellen Revolution.[3]
  • Aktuell ist sich die überwältigende Mehrheit von Klimaforscherinnen einig, dass die globale Durchschnittstemperatur in diesem Jahrhundert vermutlich um zwei bis vier Grad Celsius steigen wird[4]

Die Folgen sind: Schon unsere Kinder und Enkel werden unter den katastrophalen Folgen leiden und die immensen Schäden bezahlen müssen. Die Folgen für Länder, die erkennbar heute schon mehr unter den Klimawandelfolgen leiden, sind unabsehbar. Eine unvorstellbare Fluchtbewegung und Kriege um die zum Überleben nötigen Ressourcen und Flächen werden schon in wenigen Jahrzehnten die unvermeidlichen Folgen sein.

Und da reden wir noch nicht einmal von den sog. „Kipp-Punkten“: Unvorstellbar, wie Europa innerhalb weniger Jahre aussehen wird, wenn der Golfstrom kippt. Die Ursache: Mit dem Klimawandel schmilzt der grönländische Eisschild ab und verdünnt das warme, salzige Meerwasser, das aus dem Süden heran strömt. Es sinkt dann langsamer in Tiefe. Der Golfstrom wird sich deshalb verlangsamen, so viel ist wissenschaftlich gesichert. Nach aktuellen Erkenntnissen passiert das gerade.[5] Eine ähnliche Entwicklung hatten wir schon mal bei der sogenannten „Kleinen Eiszeit“ von Anfang des 15. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts, damals vermutlich durch verminderte Sonnenaktivität und starke, weltweit wirksame Vulkanausbrüche verursacht. Derzeit ist bereits eine Verringerung um 15% messbar (PIK). Dabei wird nicht die Erde kälter, sondern nur einzelne Zonen wie z.B. der Nordatlantik. Die Region um den Nordpol wird gleichzeitig stark erwärmt. Schon 2004 warnte das Pentagon in einer Studie vor dieser Entwicklung.[6]

Wir spielen Russisch Roulette, und wissen nicht einmal wie viele Kugeln wir überhaupt in der Trommel haben!

Wenn wir diese katastrophalen Entwicklungen noch bremsen wollen, haben wir KEINE Zeit mehr, wir müssen JETZT handeln! Aber was passiert:

  • Das Gastgeberland Polen der aktuellen Klimakonferenz erzeugt aktuell rund 80 % seiner elektrischen Energie aus Kohleverstromung, bis 2030 soll dieser Anteil noch immer bei rund 60 % liegen.[7]
  • Das „Musterland“ Deutschland verfehlt die eignen Klimaziele: Laut dem Mitte Juni von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) vorgelegten Klimaschutzbericht 2017 dürften die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 nur um etwa 32% statt 40% unter dem Stand von 1990 liegen.[8]
  • Deutschland schafft es nicht einmal, wie zugesagt einen Kohleausstiegsplan vorzulegen. Die „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ vertagte sich auf 2019.
  • Die Zahl der Klimaleugner unter den Regierungen und Staatsführer steigt, am wichtigsten ist dabei der Ausstieg der USA unter Trump aus dem Pariser Abkommen, wichtig ist auch der Ausstieg Brasiliens.

Wir brauchen also eine schnell umzusetzende, schnell wirksame Gegenstrategie:

  • Abschaltung von 14 Braunkohleblöcke bis 2020 stillgelegt und Drosselung der anderen Braunkohleblöcke[9]
  • Ausbau von Solar- und Windanlagen mit einer Leistung von neun Gigawatt wie im Koalitionsvertrag beschlossen[10]
  • Sektorkopplung der einzelnen Sektoren. Erneuerbare Stromerzeugung muss zur Emissionsminderung im Verkehrs-, Industrie- und Gebäudewärmesektor genutzt werden.
  • Ausbau der europaweiten Vernetzung der EE zur Netzstabilisierung und Ausgleich bei „Dunkelflaute“, massiver Ausbau von Speichern
  • Ausstieg aus den Verbrennungsmotoren zum nächstmöglichen Zeitpunkt, massive Förderung der Umstellung ab sofort, Verteuerung Verbrennungskraftstoffe und –motoren.
  • Realistische Bepreisung der Umweltkosten des Flug-Passagier- und Frachtverkehrs
  • Aufklärung und Förderung für Klimagas-Vermeidungsstrategien im Alltag, z.B. bei der Ernährung.

Wir werden es nicht schaffen, das mit Verboten zu machen, wir müssen das mit Überzeugung und Begünstigung für alle „Willigen“ voranbringen. Wir ALLE müssen Opfer bringen und Einschnitte im Alltag hinnehmen, wenn wir die Änderungen noch schaffen wollen.

Mehreinnahmen durch Umweltabgaben können 1 : 1 an alle zurückgegeben werden, die z.B. CO2 einsparen. Aber wir müssen mutig sein in unseren Forderungen. Und wir müssen konsequent sein – in unserer Politik, aber auch vor uns selber.

Schauen wir uns mal grüne Termine wie die BDK in Leipzig an … Wahlkämpfe … Hubschraubertermine … Ich weiß, es wäre „anders“ für die Organisator*innen ein Riesenaufwand, aber wenn wir ihn nicht leisten, wer dann?

Stefan Rahmstorf, PIK Potsdam[11]: „Nicht die erforderlichen Änderungen und Umstellungen, nicht ein scharfes Klimaschutzprogramm wie gefordert ist unrealistisch, sondern so weiter zu machen wie bisher ist unrealistisch, nicht!

WIR müssen JETZT entscheiden, was uns wichtiger ist, das bisherige Leben oder die Zukunft!

[1] https://www.ndr.de/ratgeber/Klimawandel-Fakten-zum-globalen-Temperaturanstieg,klimawandel300.html

[2] https://www.tagesschau.de/ausland/weltklima-treibhausgas-101.html

[3] https://www.de-ipcc.de/

[4] http://www.climatechange2013.org/

[5] https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/klimawandel-golfstrom-schwaecht-sich-ab-folgen-nicht-absehbar/21165002.html

[6] http://www.spiegel.de/politik/ausland/pentagon-studie-yodas-apokalyptische-visionen-a-287518.html

[7] Polen – Abkehr von Kohlekraft bis 2050 nicht vorstellbar. In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 30. November 2018])

[8] https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-08/klimaschutz-braunkohle-erneuerbare-energie-klimaziel-2020

[9] Fraunhofer-Studie Co-Autor Norman Gerhardt

[10] Fraunhofer-Studie Co-Autor Norman Gerhardt

[11] http://www.pik-potsdam.de/~stefan/

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