Schulpolitik und Corona: … Setzen – Sechs!

(Karl-W. Koch)

Seit sechs Monaten plagt uns die Corona-Krise, seit fünf Monaten werden mehr oder weniger sinnvolle Gegenmaßnahmen erprobt, bestätigt oder verbessert, getestet, ausgewertet, um die potentielle Gefährlichkeit des Virus in Griff zu bekommen bzw. die Opferzahlen im möglichst niedrigen Bereich zu halten. „Schule“ war von Anfang an als einer der wesentlichen „Kriegsschauplätze“ im Blick. Der völlige Lockdown bis zu den Sommerferien war offenkundig berechtigt, nötig und unvermeidbar. Seit Beginn des Lockdown hatte die Politik und Verwaltung Gelegenheit … nein, falsch, … hatte die Politik und Verwaltung die verdammte Pflicht, ein Konzept für die Schule nach den Ferien zu entwickeln, das auf die verschiedenen Möglichkeiten zu handeln – je nach Lage – vorbereitet gewesen wäre.

Geschehen ist … NICHTS!

Aufgabe 1: Sorge für ausreichend Lehrkräfte

Eine Erstklässlerin konnte es sich an drei Fingern abzählen, dass nach den Ferien Lehrkräfte fehlen werden: Die bisherige Klassenstärke von bis zu 30 Schüler*innen (und teilweise darüber) in oft zu engen Räumen ist unter Coronabedingungen nicht haltbar, also muss in kleinere Lerngruppen geteilt werden, ergo – mehr Lehrkräfte oder Unterrichtsausfall. Dass weiterhin mit Ausfällen von Lehrpersonal im Bereich der Risikogruppen zu rechnen ist, war ebenfalls hinlänglich bekannt. Die Einstellung von Personal, und sei es auch zunächst mal nur Hilfspersonal für die parallele Betreuung von Gruppen war überfällig, Geld ist offenbar genügend da. Z.B. NRW plant die Schaffung von 800 neuen Stellen bei aktuell ca. 160.000 Stellen, eine Erhöhung um 0,5%, vermutlich werden damit nicht einmal die Ausfälle kompensiert. In den anderen Ländern wird es teilweise anders, aber kaum besser aussehen.

Geschehen ist … NICHTS!

Aufgabe 2: Digitalisierung der Schulen für Quarantänen und den nächsten Lockdown

Die Probleme des Digitalen Home-Schooling waren in der Krise gnadenlos offengelegt:

  • Mangelhafte Hardware an den Schulen,
  • fehlende, möglichst landes- oder noch besser bundesweit einheitliche, einfache zu bedienende, dem Datenschutz entsprechende Software und Systeme,
  • überforderte Lehrkräfte, u.a. durch eigene zu betreuende Kinder, durch arbeitsintensiveren Online-Unterricht, mangelnde Kompatibilität der Betriebssysteme und Software von Lehrern und Schülern, Unverbindlichkeit des Unterrichts und der Leistungsnachweise/Notengebung…
  • ungebildete (im Sinne des Wortes, ohne jeglichen Vorwurf!) Schüler*innen und Lehrer*innen,
  • fast immer keine oder nicht ausreichend vorhandene technische Fachbetreuung (DIE wurde den Lehrer*innen aufs Auge gedrückt, die nicht schnell genug NEIN sagen konnten). Gerade hier sind aufgrund von Kurzarbeit und steigender Arbeitslosigkeit (weggebrochene Student*innenjobs!) kurzfristig genügend Arbeitskräfte verfügbar, Geld … s.o.
  • mangelnder oder überforderter Support,
  • Nicht-Erreichbarkeit von Schüler*innen aufgrund der Netzstruktur und/oder mangelnder Ausstattung mit Hardware sowie teilweise Unvermögen oder Desinteresse der Schüler*innen und/oder der Eltern.

All das hätte vor und in den Ferien abgearbeitet werden müssen. Außer ein paar Willensbekundungen gilt hier:

Geschehen ist … kaum was!

Aufgabe 3: Bauliche Änderung an den Gebäuden:

Es hat sich in der Krise gezeigt, welche Mängel hier vorliegen. Alle Verbesserungsvorschläge der letzten Jahrzehnten zu besseren Schulgebäuden wurden – meistens mangels leerer Kassen – nicht umgesetzt, JETZT fehlen sie. Klassenräume, die teilbar oder verbindbar sind, die Größe (Kleinheit wäre treffender!) von Klassenräume, integrierte Sanitärräume, variable Systeme … alle Pläne liegen seit langem auf dem Tisch. Zumindest in Ansätzen hätte man einiges davon in den Ferien angehen können. Aber selbst die dringende Empfehlung zum regelmäßigen Lüften scheitert … an zu öffnenden Fenstern. Zumindest DAS (gesicherte Fensteröffnen) hätte mit minimalstem Aufwand geändert werden können, aber … Statt die räumliche Situation zu verbessern, sind die Digitalpakt-Milliarden in eine flächendeckende Smartboard-Ausstattung in den (maroden) Klassenräumen geflossen – die im Distanzunterricht nutzlos herumhängen.

Geschehen ist … NICHTS!

Aufgabe 4: Hygieneregeln:

Hier wird das Gewurschtel der Landeshoheiten wirklich kabinettreif (s.a. Extra3-Link). Dass die Kulturministerkonferenz nicht in der Lage ist eine bundesweit einheitlich Regel, sinnvollerweise abgestuft nach den regionalen Pandemie-Ständen, zu erarbeitet, sollte dazu führen, den „Laden“ aufzulösen und die Aufgaben zumindest die aktuelle Krise betreffend auf den Bund zu übertragen.

Die Maskenregelung wie in NRW für den ganzen Schultag ist nicht praktikabel und wird nicht funktionieren. Hier wird das Versagen der Politik (Klassenraumgröße, fehlende Lüftungsmöglichkeiten) auf dem Rücken der Schüler*innen ausgetragen! Da die Räume nicht angepasst wurden, müssen jetzt die Klassenstärken korrigiert werden.

Und wie soll das ganztägige Tragen von Masken funktionieren? Vor dem Auf- und Absetzen der Masken sollen jeweils die Hände desinfiziert werden. Wie geht künftig Pausenbrot-Essen oder das gesundheitlich dringend empfohlene regelmäßige Trinken? Händewaschen, Maske ab, Essen oder Trinken (am Waschbecken oder auf der Toilette oder der nächste Weg ohne Maske?), Händewaschen (Weg zurück zum Händewaschen ohne Maske?) Maske auf? Dasselbe im Unterricht, da wird diskutiert, das Schüler*innen bei Vorträgen etc. die Masken evtl. absetzen sollen … Realitätsnähe sieht anders aus … S.a. BfArM-Link und -Anlage am Ende des Textes.

Geschehen ist … NICHTS was weiterhilft!

Aufgabe 5: Testen

U.a. vom Experten Kekule werden regelmäßige Tests für Schüler*innen und Lehrer*innen gefordert. Sinnvoll wäre 1 bis 2 Testdurchgänge pro Woche, um die 4-Tages-Fristen der Erfassbarkeit der Viren auch sicher zu stellen. In einigen Bundesländern werden zumindest erste Tests für Lehrkräfte angedacht, das kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Um die Kosten und Laborkapazitäten zu schonen, können dabei – zumindest bei geringer Erkrankungszahl – sog. Pool- oder Kohortentests gemacht werden. Dabei werden die Tests von bis zu 50 Personen (Klassen, Kollegien, …) zusammen in EINER Untersuchung durchgeführt. Ist die Probe negativ, sind alle negativ. Ist die Probe positiv müssen aus den zurückgehaltenen Teilproben Einzelbestimmungen gemacht werden.

Geschehen ist … außer einigen wenigen Willensbekundungen … NICHTS!

Fazit: Die Krise hätte ein umfassendes Konzept an Gegenmaßnahmen erfordert. Dieses ist nicht einmal in Ansätzen erkennbar. Kommt es auch nur in Teilgebieten zu weiteren Anstiegen der Erkrankungen, wird das jeweilige Bildungssystem zusammenbrechen und nicht etwa darauf vorbereitet sein. Distanzunterricht kann weder die Qualität noch die Verbindlichkeit des Präsenzunterrichts erreichen, hybrider Unterricht (also die Kombination aus Präsenz- und Distanzunterricht) für alle in allen Fächern ist mit den vorhandenen Ressourcen absolut nicht realistisch. Leid-tragende sind die Schüler*innen und die Lehrkräfte und in der Folge … wir alle.

https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/maskenpflicht-schulen-bundeslaender-100.html

https://www.news4teachers.de/2020/08/ein-ueberblick-wie-andere-staaten-mit-ihren-schulen-in-der-corona-krise-umgehen/

https://www.oekotest.de/gesundheit-medikamente/Corona-Test-Alles-zu-den-moeglichen-Testverfahren_11308_1.html

https://daserste.ndr.de/extra3/Schulstart-trotz-Corona,extra18050.html

Anlage

Maskengebrauch, BfArM (= Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte):

  • Beim Anziehen einer Maske ist darauf zu achten, dass die Innenseite nicht kontaminiert wird. Die Hände sollten vorher gründlich mit Seife gewaschen werden.
  • Die Maske muss richtig über Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den Rändern möglichst eng anliegen, um das Eindringen von Luft an den Seiten zu minimieren.
  • Bei der ersten Verwendung sollte getestet werden, ob die Maske genügend Luft durchlässt, um das normale Atmen möglichst wenig zu behindern.
  • Eine durchfeuchtete Maske sollte umgehend abgenommen und ggf. ausgetauscht werden.
  • Die Außenseite der gebrauchten Maske ist potentiell erregerhaltig. Um eine Kontaminierung der Hände zu verhindern, sollte diese möglichst nicht berührt werden.
  • Nach Absetzen der Maske sollten die Hände unter Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln gründlich gewaschen werden (mindestens 20-30 Sekunden mit Seife).
  • Die Maske sollte nach dem Abnehmen in einem Beutel o.ä. luftdicht verschlossen aufbewahrt oder sofort gewaschen werden. Die Aufbewahrung sollte nur über möglichst kurze Zeit erfolgen, um vor allem Schimmelbildung zu vermeiden.
  • Masken sollten nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden. 

https://www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.

Verwandte Artikel