Jochen Stay bei der Castorblocakde in Gorleben 1997

Jochen Stay ist tot

Jochen Stay bei der Castorblockade in Gorleben 1997Liebe Freundinnen und Freunde

DER führende Aktivist gegen die Atomenergie in Deutschland, Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt und Vorstandsmitglied der von .ausgestrahlt initiierten Stiftung Atomerbe, ist am 15.01.2022 im Alter von 56 Jahre – viel zu früh – an einer Krankheit verstorben.

Jochen hat es mit unglaublicher Energie und Einsatz verstanden über Jahrzehnte den Widerstand gegen die menschen- und naturverachtende Energieform und die sie vorantreibende Industrie zu aktivieren und zu koordinieren. Er hat völlig undogmatisch mit alle zusammen gearbeitet, die erkennbar auf seiner Seite waren und – anders als in kritischen Phasen leider manch anderer – auch zur Zusammenarbeit mit atomkritischen Grünen Mitglieder gestanden. Schon allein dafür gebührt ihm mein ausführlicher Dank und meine Anerkennung. Die gilt selbstverständlich auch seinem Lebenswerk, mit dem er sich – mit Sicherheit unbewusst und ungewollt – selbst ein Denkmal gesetzt hat.

Sein früher Tod reißt eine Lücke, die kaum zu schließen sein dürfte, gerade jetzt, wo die “klimafreundliche” (??) Atomenergie vor ihrer Renaissance in halb Europa steht.

Jochen – du fehlst schon jetzt!

Karl-W. Koch, auch im Namen des Unabhängigen Grünen Linken Orgateams

Nachruf von “Ausgestrahlt” – https://www.ausgestrahlt.de/jochen/


.ausgestrahlt – gemeinsam gegen atomenergie
Pressemitteilung

18. Januar 2022

Jochen Stay ist tot

Der langjährige Anti-Atom-Aktivist Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt und Vorstandsmitglied der von .ausgestrahlt initiierten Stiftung Atomerbe, ist tot.

Stay, geboren 1965 in Mannheim, war in den 1980ern zunächst an gewaltfreien Blockaden des Pershing-Depots in Mutlangen beteiligt. Über die Auseinandersetzung um die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf stieß er Mitte der 1980er-Jahre zur Anti-Atom-Bewegung. Ab Mitte der 1990er-Jahre organisierte er mit der Kampagne „X-tausendmal quer“ öffentlich angekündigte, gewaltfreie Sitzblockaden gegen Castor-Transporte, an denen sich Tausende beteiligten. 2008 gründete er mit einer Handvoll Mitstreiter*innen die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. Gemeinsam mit dieser machte er die atomkritische Haltung der Mehrheit der Bevölkerung wieder sichtbar und organisierte den Protest gegen die von der schwarz-gelben Bundesregierung betriebene Laufzeitverlängerung für AKW. Stay wurde so zum Sprachrohr von Hunderttausenden von Atomkraftgegner*innen.

Einer der Höhepunkte des Protests war die von Stay initiierte 120 Kilometer lange Menschenkette vom AKW Brunsbüttel bis zum AKW Krümmel. 120.000 Menschen formierten sich am 24.04.2010 entlang der Elbe zur längsten Anti-Atom-Demo in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Laufzeitverlängerung konnte das zwar zunächst nicht verhindern. Schon im Jahr darauf jedoch leitete der erneute Protest Hunderttausender nach der Atomkatastrophe von Fukushima Merkels Atomwende ein. Fast die Hälfte der damals noch 17 AKW ging sofort vom Netz. Ende dieses Jahres werden die letzten drei folgen.

Auch der Protest gegen ein Atommüll-Lager im Gorlebener Salzstock, den Stay jahrzehntelang mit prägte, führte 2020 zum Erfolg. Was das aktuell laufende Standortsuchverfahren für ein Atommüll-Lager angeht, so konnte niemand dessen Defizite präziser benennen als er.

Neben seiner Anti-Atom-Arbeit war Stay unter anderem auch bei der in Verden angesiedelten Bewegungsstiftung engagiert. Zahlreiche andere Bewegungen und Kampagnen konnten so von seiner Erfahrung und seinem meist untrüglichen Gespür für politische Gelegenheiten profitieren.

Jochen Stay, der an einer Herzerkrankung litt, ist am Samstag, den 15.01.2022, im Alter von 56 Jahren an seinem Wohnort Suerhop bei Buchholz/Nordheide plötzlich und viel zu früh gestorben. .ausgestrahlt wird die Anti-Atom-Arbeit auch in seinem Sinne weiterführen.

Einen ausführlicheren Nachruf zu Jochen Stay finden Sie auf ausgestrahlt.de/jochen

Fotos von Jochen Stay zur freien redaktionellen Verwendung können Sie hier herunterladen, bitte nennen Sie jeweils die in den Dateinamen angegebenen Fotograf*innen.

Rückfragen an:
Armin Simon, Tel. 0163-8832446

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