Stellungnahme zu Waffenlieferungen

Hallo Zusammen,

da ich ursprünglich aus Afghanistan komme und die Wucht einer kommunistischen gewalttätigen Machtübernahme, ausgelöst durch eine sowjetische Invasion am eignen Leib gespürt habe und dadurch nicht nur meine Heimat, meine Kindheit, meine Freiheit, sondern auch engste Familienmitglieder verloren habe und dann als Kind mit 9 Jahren auch den Schrecken im Gefängnis erleben musste, weiß ich sehr wohl, wie Ukrainer sich in diesen kritischen Tagen fühlen.  

Ich kann im wahrsten Sinne sagen, dass ich sehr genau weiß, wie es den Menschen in der Ukraine geht und wie hilflos sie sich jetzt fühlen müssen und ich finde es sehr bedauerlich, dass die Geschichte sich leider so oft wiederholt und wir Menschen und unsere politischen Repräsentanten so wenig daraus lernen.

Gleichzeitig ist mir aber auch bewusst, dass Waffenexporte bzw. Lieferungen in der jüngsten Geschichte der letzten 50 Jahren nur Leid, Tod und Zerstörung verursacht haben.

Mit jeder Kugel, die wir exportieren und liefern werden Menschen getötet, denn die Kugel will ja abgefeuert werden und fragt dabei nicht nach Recht und Unrecht.

In erster Linie werden wieder in jedem Krieg junge Väter und junge Männer getötet, die Witwen, Waisenkinder, Freundinnen hinterlassen und deren Träume und Sehnsüchte nach einem besseren Leben brutal zerfetzt und unwiderruflich begraben werden.

Dies gilt aber auch für die russischen Soldaten, die ihr Leben opfern müssen, ohne dass man sie gefragt hat, ob sie in diesen Krieg ziehen möchten und denen man auch eine Lüge aufgetischt hat, weil das erste Opfer des Krieges stets die Wahrheit ist.

Wenn wir nun in Deutschland der Ansicht sind, dass wir 100 Mrd. EUR mehr für militärische Ausrüstung ausgeben müssen, damit wir uns besser verteidigen können, dann unterliegen wir de facto auch einem Trugschluss, denn ich glaube nicht, dass die nun bereitgestellten 100 Mrd. mehr für die militärische Aufrüstung, die atomaren Großmächte am Ende und im Worst-Case-Szenario davon abschrecken werden, Deutschland nicht anzugreifen, denn sie haben diese vernichtende Potenz und werden diese nutzen, wenn es in ihr wirtschaftliches und politisches Kalkül passt, was nicht logisch, sehr wohl aber ideologisch zu verorten ist.

Wir sollten nicht vergessen, dass wir Nato-Mitglied sind, und dies ist im Hinblick der Möglichkeiten, den Bündnisfall auszurufen Sicherheit genug in meinen Augen und daher sollten wir die gemeinsame Nato-Verteidigungs-Strategie stärken, als nur auf eine eigene Aufrüstung zu setzen.

Die 100 Mrd. lassen infolge der Ukraineinvasion nun weltweit die Aktien der Waffenhersteller in die Höhe schießen und sehr viele Länder werden Deutschland nachahmen und ebenfalls ihre Rüstungsausgaben erhöhen, denn wir brauchen nur dem „Follow-the-Money“ Grundsatz nachgehen, um zu wissen, wer die Kriegsgewinner in derartigen Krisenzeiten sind.

Es gibt also eine Gewinnerbranche, und wenn die heute die Kapitalmärkte (DAX & Co.) genau beobachten, werden wir auch sehr schnell registrieren, welche Branchen die Verlierer dieses, weil nicht auf einer langfristigen Strategie basierenden Aktionismus sind.

Daher bin ich gegen jedwede Waffenlieferungen und einer Erhöhung der Ausgaben für militärische Ausgaben und bleibe weiterhin meinen Werten als Pazifistin treu.

Viele Grüße aus Hamburg und bleibt gesund.

Zohra Mojadeddi

Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft
Sprecherin für Mittelstand, Handwerk, Wirtschaftsförderung und Cluster
GRÜNE Bürgerschaftsfraktion Hamburg
Burchardstraße 21, 20095 Hamburg
www.gruene-hamburg.de

7 Kommentare

  1. Grygoriy Kleyn

    und ich bin dafür – putin mit worten zu stoppen- ? mir fehlt jedes verständnis für dieses gelabber. die russen wurdne aus afganistan mit waffengewalt deiner landsleute geworfen – und es wird nicht anders jetzt.

  2. Manfred Radtke

    Mein vollster Respekt. Waffen sind keine Lösung. 500 Mrd. von der EU für Waffen sind auch durch nichts gerechtfertigt. Das wird dann für den Klimaschutz fehlen.
    Versucht die handelnden Politiker aller Farben zur Deeskalation zu bewegen. Die Toten auf beiden Seiten fragen nicht nach dem Sieger und Sieg. Und irgendein Sieg führt nur über Waffen und damit Tote.

  3. Uwe Herbert

    Allein dank Ihres Mitgefühls hört der Krieg in der Ukraine nicht auf. Eine schlüssige Argumentation geschweige denn Strategie erkenne ich in Ihrem Text nicht. Wie bitte soll denn eine “Stärkung der Nato-Verteidigungs-Strategie” aussehen ohne eigenen militärischen Beitrag? Dazu haben Sie leider nichts geschrieben. Möchten Sie´s mit mehr Helmen versuchen? Oder Stuhlkreis mit Putin und dabei richtig enttäuscht gucken? Oder möchten Sie sich besser gleich auf den nächsten Trump verlassen? Ich möchte dies alles nicht.
    Ihre pazifistische Grundhaltung kann ich als Privatmeinung durchaus respektieren.
    Sollten sich Haltungen wie diese jedoch in Ihrer Partei durchsetzen und verfestigen, dann wären die Grünen für mich als Regierungspartei nicht mehr trag- und wählbar. Schade eigentlich.

  4. Dieter Schäfer

    Ein wunderbare Mitnahme in das Denken einer Betroffenen, welches jedem unserer Bundes-Grünen, insbesondere aber Frau Baerbock aber auch der SPD mit Scholz etc. zum Lesen zu geben wäre…. Wenn mehr Menschen wie Frau Mojadeddi zu entscheiden hätten, wären wir Frieden sehr viel näher.

  5. Michael

    Hallo,
    völlig weltfremder Artikel.
    Ich finde es Klasse, dass jetzt auch endlich die Grünen Waffenlieferungen an die Ukraine zustimmen. Lasst bitte nicht nach und gebt Gas, damit unsere ukrainischen Freunde diese auch noch einsetzen können. Habe den Eindruck, dass wir mit unserer Bürokratie und unserem Pazifismus den Ereignissen immer einen Schritt hinterher sind! Wir haben aus unsere Geschichte eine moralische Verantwortung gegenüber den Menschen in der Ukraine. Wie sollen wir dieser gerecht werden, wenn wir die Ukraine jetzt nicht mit Waffen unterstützen. Wollen wir noch mal zusehen, wie Millionen von Menschen dort abgeschlachtet werden!?
    Jeder Tag, den wir länger warten sterben mehr Menschen. Abschreckung ist das einzigste, was Putin aufhalten könnte Ich kann nicht mehr tatenlos zusehen, wie Russland immer weiter marschiert.

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